Cañón del Colca: Kondore, Staub und Alpakas

2 Uhr aufstehen was soll ich sagen, es gibt schönere Zeiten, um einen Tag zu beginnen. Gegen 3 Uhr wurden wir dann aber von einem kleinen Minibus mit anderen Touristen abgeholt. Unsere 3-tägige Tour hat 170 Soles gekostet, zusätzlich muss man dann aber vor dem Canyon noch ein Touristenticket für 70 Soles kaufen…hier gibt’s auch für alles ne Steuer oder ein besonderes Ticket. Der Colca Canyon ist mit 3.191m übrigens der zweittiefste der Welt, nur der gleich nebenan gelegene Canon Cotahuasi ist noch 163m tiefer. Unser Frühstück hatten wir dann in einem Restaurant in dem es eiskalt war, da die Wände unverputzt waren und nach oben hin nur ein Wellblechdach Schutz vor dem Wetter bot. Leider gab’s auch nur Brötchen mit Margarine und Marmelade, nicht so der beste Start…aber gut. Unser erster Halt war dann aber die Reise wert: der Cruz del Cóndor.

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Dort kann man Kondore beobachten, die in den Felsvorsprüngen nisten. Die Viecher haben aber ganz schön lange auf sich warten lassen und man konnte sie auch eher von weiter weg sehen, mit dem Foto wurde das Ganze leider auch nicht richtig was.

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Kondor – von nahem sind die eh hässlich :p

Nach einer weiteren Fahrt mit dem Bus ging es dann los mit dem Trekking. Der LP warnt ein wenig davor den Canyon mit einer Tour zu besichtigen, zu viele Touristen etc. Aber mir kam das Ganze auch nicht touristischer vor als andere Orte. Gut, am Kondor Aussichtspunkt standen schon viele Touristen, aber das wäre so oder so gewesen, auch wenn wir uns auf eigene Faust auf die Socken gemacht hätten. Unsere Gruppe war aber klein, nur 6 Personen, das heiß wir vier und ein französisches Pärchen. Leider habe ich kein gutes Bild von ihm, denn er sah genau so aus wie TingelTangel Bob aus den Simpsons. 🙂 Waren aber beide sehr nett und konnten Englisch sprechen, da sie 5 Jahre in Sydney gelebt haben. Die beiden sind schon seit 8 Monaten auf Weltreise und haben in Südostasien angefangen, sozusagen meine Route umgekehrt. Der erste Tag des Trekkings war hauptsächlich nur in den Canyon 1.000 Höhenmeter runter zuwandern – von 3.800m auf 2.800 m. Der Weg war allerdings recht staubig und an einem Punkt hat es wohl einen Erdrutsch gegeben, zumindest mussten wir ein paar Bauarbeiter an einem steilen recht unbefestigten Stück Weg passieren, aber die Aussicht war Hammer.

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Der Weg & die Aussicht

An einer Brücke haben wir dann gerastet bis es danach ein kleines Stück bergauf ging.

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Panos & ich

Nach ca. 3 Stunden hatten wir dann auch unser Lager für die erste Nacht erreicht. Eine schlichte Unterkunft, aber okay, es gab Suppe zum Mittagessen und Alpaca mit Reis. Schmeckt ein wenig wie zähes Rind, oder die haben das zu lange gebraten, kann auch sein. Wir waren alle doch ein wenig müde nach dem frühen Aufstehen, weshalb wir uns bis zum Abendessen nochmal hingelegt haben. Irgendwie haben wir auch ein Riesenglück, denn gerade an diesem Tag feierte das Dorf in dem wir abgestiegen waren, dass eine neue Familie sich um die Wasserkanäle, die das Dorf mit eben diesem versorgen kümmert. Jedes Jahr muss das eine Familie unbezahlt tun und das wird gefeiert – mit Blasmusik und jede Menge Alkohol. Diese musikalische Unterhaltung wurde uns dann bis neun Uhr abends geboten…

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Peruaner + Alkohol + Blasinstrument = schlechte Mischung

Nach dem Abendessen (Suppe, Reis und Kartoffelfladen gefüllt mit „Käse“) sind wir dann auch alle schon wieder ins Bett (trotz musikalischer Unterhaltung), denn es wurde auf den 2.800m doch recht kühl nachts.

Der zweite Tag war vom Laufen her leichter als der erste, nach dem Frühstück um sieben Uhr sind wir los gestiefelt. Zunächst ein wenig auf und ab und dann 30 Minuten den Berg hinauf…ich weiß aber nicht woran es lag, ob an den Coca Blättern, die ich dort angefangen habe zu kauen oder vielleicht wird meine Kondition ja doch endlich mal besser, es hat sogar Spaß gemacht. Oben angekommen konnten wir uns an einem der zahlreichen Wasserkanäle, die durch den Canyon fließen abkühlen. Danach ging es eigentlich nur noch bergab und das hat mir sogar wirklich gut gefallen. Ich mag Coca. 🙂 Ich weiß gar nicht, ob ich davon schon erzählt hatte, zumindest kaut das hier fast jeder, die Blätter helfen gegen die Höhe und du fühlst dich einfach besser. Immerhin wird aus diesen Blättern ja auch Kokain hergestellt, weshalb ich der Wirkung jetzt einfach mal glaube. Hier ein paar Eindrücke vom Weg:

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2. Wandertag

Unser Ziel war an diesem Tag eine Oase mitten im Canyon, die wir auf unserem Weg runter in den Canyon schon sehen konnten und es war dort wirklich traumhaft. Weniger traumhaft war die Aussicht auf unseren 3stündigen Marsch am nächsten Tag, wir konnten von oben nämlich auch den Weg aus dem Canyon wieder raus sehen, aber dazu dann später mehr.

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Das rote lange Dach: unser Hostel in der Oase

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Der Weg für Tag 3…

In der Oase hatten wir ein sehr spartanisches 4er Zimmer, aber dafür einen Pool und es war immer Happy Hour. 🙂 Echt toll, normalerweise kostet ein Pisco Sour 10 Soles, aber in der Happy Hour kosten zwei nur 15 Soles, Happy Hour ist aber immer. Ich mag die Peruaner vielleicht doch langsam. Den Nachmittag haben wir dann so lange am Pool verbracht bis es zu kalt wurde.

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Der Pool…

Danach haben Panos und Christian Melanie und mir ein neues Kartenspiel beigebracht, das sogar mir als weniger Spiele begeisterten Person Spaß gemacht hat. Leider war das Mittagessen in der Oase überhaupt nicht mein Fall, Kartoffelpüree, Thunfischsalat (mit Tomaten und Zwiebeln) und ha na was? Reis…haben sich Christian und Panos über meine Portion freuen können. Das Abendessen war dann aber besser, Spaghetti mit Tomatensoße. Unser vorheriger Versuch noch einen Cocktail zu bestellen, scheiterte leider daran, dass der Hostelbesitzer betrunken war und meinte nehmt euch einfach zwei Bier, ich weiß auch gar nicht, ob wir die überhaupt bezahlt haben. Auch diesen Abend sind wir zu einer Rentnerzeit ins Bett, um 20 Uhr lagen wir in der Heia, aber es gab dort auch keine Elektrizität und auch hier mitten im Canyon war es nachts recht kalt. Außerdem hieß es am nächsten Morgen um 4:30 Uhr aufstehen…

4:30 Uhr Wecker – Sachen packen (nichts vergessen!!! – auch wenn ich zwei Mal panisch Unterwäsche und Sonnenbrille im Verlauf des Tages gesucht habe…)
5:00 Uhr warmer Tee zur Stärkung, kein Frühstück. 🙁 Das fand ich gar nicht toll, denn ich wusste für die Wanderung aus dem Canyon hoch waren 3 Stunden angesetzt. Ich hatte da ja schon echten Bammel vor, denn Hochlaufen ist ja nicht gerade meine Stärke und nun 3 Stunden lang mit 1.000 Höhenmetern Unterschied? Vorsorglich habe ich mal ganz viel Coca gekaut und ich glaube, das hat auch geholfen. Mit Stirnlampen sind wir die erste Stunde den Canyon hochgelaufen, über Steine und ab und zu treppenartigen Gebilden. Wir waren dieses Mal nicht nur unsere Gruppe, sondern ziemlich viele, muss lustig ausgesehen haben die vielen kleinen Lichter, die sich den Berg hoch geschlängelt haben. Was soll ich sagen, bis zur Hälfte ging das Laufen ganz gut, auch wenn ich schon eher langsam war. Panos und die beiden Franzosen hatten sich ziemlich schnell abgesetzt und Melanie hatte sich ein Muli genommen, um den Weg zu besteigen. Aber ab da war es für mich dann doch ganz schön anstrengend und auch das Coca hat irgendwie nicht mehr so geholfen. Ich war heilfroh als ich nach ziemlich genau 3 Stunden endlich oben war. Langsam liefen wir nämlich auch in der prallen Sonne (stückchen Weise). Vor mir waren zum Teil auch Leute mit riesigen Rucksäcken, die ich echt nicht beneidet habe 12 Kilo oder was das war den Canyon hochzuschleppen. Ich hatte ja schon mit meinem kleinen 3-4 Kilo schweren Rucksäckle zu kämpfen. Panos und die Franzosen haben den Weg in krassen 2 Stunden geschafft, Christian in 2,5 Stunden und ich wie gesagt in 3 Stunden, aber immerhin in der veranschlagten Zeit! Und das bei dem Weg:

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Der Weg: Nahaufnahme

Danach sind wir dann in die Stadt gelaufen, um zu frühstücken. Und endlich: Spiegeleier! 🙂 Ich war so froh, dass ich gleich noch eine Portion bestellt habe. Man kann sich vorstellen, dass wir relativ kaputt waren (variierte Panos war fit wie ein Turnschuh) und vor allem dreckig. Der Weg war zwischendrin so staubig und am ersten Tag sind wir auch kurze Zeit durch den Rauch von einem Feuer gelaufen, d.h. unsere Klamotten brauchten dringend eine Wäsche. Im Bus, der uns zurück nach Arequipa bringen sollte, bin ich dann erst mal eingepennt und habe gar nicht mitbekommen, dass wir zu spät los sind, weil wir auf vier Israelis gewartet haben. Ich bin ja wirklich die allerletzte, die in irgendeiner Art rassistisch oder antisemitisch denkt, wirklich nicht, aber man hört hier schon öfters, dass sich die Isrealis hier unter aller Sau benehmen. Sie sind (angeblich) immer zu spät, laut, unhöflich und dreist. Können wir jetzt bestätigen, es soll sogar Hostels in Südamerika geben, die keine Israelis in Gruppen mehr aufnehmen. Als wir beim Mittagessen wieder auf die isrealische Gruppe gewartet haben, hat uns das der Guide dieser Gruppe auch bestätigt, dass sie immer Probleme mit diesen Leuten haben. Ob das durch das gestärkte Selbstbewusstsein nach 3 bzw. 2 Jahren Armee kommt? Keine Ahnung, es hat genervt. Da wir zu spät waren, war unser ganzes Timing ziemlich hinten dran. Auf dem Weg zum Mittagessen haben wir deshalb nur ganz kurz an zwei Aussichtspunkten Halt gemacht:

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Aussichtspunkt 1 & 2: Nummer 2 angeblich Incagräber

Das Mittagessen hatten wir in einem Restaurant und das erste Mal für mich in Südamerika: Büffet. War lecker, aber leider wurde irgendwann, wie es so oft ist, nicht mehr aufgefüllt…aber dafür konnte ich ein typisches peruanisches Gericht probieren. Gefüllte Paprika oder besser Pepperonischote, war nämlich ganz schön scharf. Anschließend konnten wir noch für 15 Soles Eintritt heiße Quellen in Chivy besuchen. Das haben Panos, Christian und ich auch getan, war jetzt nix besonderes, aber das warme Wasser war pure Erholung für die gepeinigten Beinmuskeln. Anschließend sind wir mit dem Bus auf 4.900 Meter Höhe gefahren, dort oben lag Schnee und es war richtig kalt, aber ich bin nur mal kurz aus dem Bus um eins, zwei Mal zu Atmen, ich war einfach müde. Aber ich habe mich aus dem Bus gequält als wir danach noch bei Alpakas gehalten haben, so süß. 🙂

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Alpacas 🙂

Gegen 18 Uhr waren wir dann wieder in Arequipa und danach gab es für mich nur noch duschen, packen und Feierabendbierchen mit Christian. Heute sind wir nämlich schon wieder unterwegs, die beiden letzten Artikel habe ich im Bus (dieses Mal Cruz del Sur) geschrieben, da wir gerade auf dem Weg nach Puno am Titicacasee sind. Wir schrauben uns also höhenmäßig hoch und ich bin sehr gespannt auf den See und freue mich, denn dort treffen wir in zwei Tagen Kedda, die mit uns den Inkatrail machen wird. 🙂

5 Gedanken zu “Cañón del Colca: Kondore, Staub und Alpakas

  1. Respekt, 3 Stunden ohne Frühstück mal so ein bisschen wandern zu gehen. Scheint Dir aber mittlerweile sehr gut zu gefallen, weiter so.

  2. Hello!

    Sag mal, gibt es nur diesen Weg zur Oase? Wie kommt den das ganze Zeug dahin? Die Bilder sind der Hammer. Und das Blau des Himmels, krass.

    Ich hätte da auch so meine Bedenken angesichts des Weges gehabt. Junge, junge….Respekt!

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