Titicacasee: Tee ist kein Nachtisch!

Nach Arequipa stand nun der See mit dem wahrscheinlich lustigsten Namen der Welt auf unserem Programm: der Titicacasee. Da Kedda am Montag aus La Paz nach Puno gereist ist, haben wir uns dafür entschieden, gleich am Sonntag auf die peruanischen Inseln des Titicacasees zu fahren und dort auch zu übernachten, so dass wir bei Keddas Ankunft auch im Hostel sein würden. Melanie ist aufgrund ihres Fußes, den sie sich beim Trekking im Colca Canyon zugerichtet hat, nicht mitgekommen und hat das Hostel gehütet. Unser Hostel Tyka war übrigens sehr nett und über dieses haben wir auch unsere Ausflüge gebucht. Als wir angekommen sind, haben wir alle sehr schnell die Höhe bemerkt auf der wir uns befanden, denn der Titicacasee liegt auf 3.808 Metern über dem Meeresspiegel und man ist viel schneller aus der Puste als im „Flachland“. Schön, dass unsere Zimmer alle im zweiten Stock lagen… Da konnte man sich nach dem Rucksack schleppen erstmal hinlegen…aber zum See, der zusammen gefasst einfach nur wunderschön ist und der definitiv eine Reise wert ist! (Mitreisende dürfen mich in der Kommentarfunktion gerne korrigieren, sollten sie das anders sehen.)

Isla Flotantes

Früh morgens sind wir nach einem Frühstücksbüffet (hatte ich ja noch nie hier) abgeholt worden und sind vom Hafen ca. 1,5 Stunden mit einem kleinen Boot zu unserem ersten Ziel geschifft worden: die schwimmenden Inseln der Uros – die Islas Flotantes.

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Der Titicacasee & der Ausblick auf die schwimmenden Inseln

Diese Inseln schwimmen, weil sie aus Schilf konstruiert sind. Es existieren ca. 50 Inseln und diese müssen ständig mit einer neuen Schicht totora Schilf bebaut werden, da die Inseln von unten buchstäblich wegfaulen. Auch die Hütten der Uros sind aus diesem Baustoff und müssen ca. alle 6 Monate zerstört und durch neue Hütten ersetzt werden. Uns wurde schon von anderen Reisenden erzählt, dass die Inseln extrem touristisch ausgeschlachtet werden, aber wir wollten diese trotzdem sehen, denn so eine Bauweise gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Unser Guide, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe, der mir dafür aber um so mehr mit seinen schlechten Witzen auf die Nerven ging, hat uns dann erklärt wie die Inseln und Hütten gebaut werden und die Uros haben im Hintergrund eine Miniaturinsel aus Modellen aufgebaut. Ja, es war touristisch, natürlich erst recht als wir zum Schluss die Waren der Uros präsentiert bekommen haben und diese käuflich erwerben konnten – hab ich auch gemacht, sehe ich das doch als eine Art Entwicklungshilfe bzw. Unterstützung der indigenen Bevölkerung. Wir konnten das Schilf auch probieren, das kann man nämlich sogar essen, war aber relativ geschmacklos fand ich. Den Kindern scheints aber zu schmecken.

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Minidorf & schilfessendes Kleinkind

Das Laufen auf der Insel ist aber schon witzig, als würde man auf einem großen SpongeBob laufen, die Insel federt und man läuft ein wenig wie auf Watte. 🙂

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Mit einem der aus Schilf gebauten Boote sind wir dann noch zu einer weiteren schwimmenden Inseln gefahren, von wo aus es wieder mit dem kleinen Motorboot zur nächsten Insel (Amantaní) ging.

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Schilfboot

Isla Amantaní

Nach einer gut 3-stündigen Bootsfahrt sind wir auf der Insel angekommen, und wurden gleich von den dort lebenden Familien begrüßt. Diese Insel ist noch nicht ganz so kommerzialisiert und meinem Eindruck nach herrscht dort ein sehr einfaches, aber ruhiges friedliches Dorfleben. Panos, Christian und ich hatten Glück und konnten zu Dritt bei Julia unterkommen. Nun hieß es (hoch)laufen zu Julias Haus, das in besserem Zustand war als ich es erwartet hätte. Ein wenig feucht war es in unserer Unterkunft und es gab keine Dusche, aber es war ja auch nur für eine Nacht.

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Unsere Unterkunft (Innen- & Außenansicht)

Zunächst gab es aber Mittagessen…ja, was soll ich sagen, der Lonely Planet hatte noch nie so Recht, Zitat: „man sollte sich auf kurze Episoden peinlicher Stille (und) eine doppelte Portion Kohlenhydrate…gefasst machen.“ Können wir bestätigen, immerhin konnte Julia spanisch sprechen, denn die Inselbewohner sprechen normalerweise untereinander Quechua, eine der drei offiziellen Sprachen in Peru. Ein wenig haben wir uns aber bei der in der Tat sehr kohlenhydratreichen Mahlzeit unterhalten:

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Kartoffeln, Feind, Okra & frittierter Käse

Da auf dem Tisch auch kleine Löffelchen lagen, spekulierten wir ja auf einen Nachtisch. 🙂 Aber nein, es gab einen Tee…der war zwar lecker, aber jetzt mal ernsthaft unter uns: Tee ist kein Nachtisch!!! Nach diesem mehr oder weniger glücklich machenden Essen haben wir uns dann in die Sonne gesetzt und immerhin die schöne Aussicht genossen.

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Unsere Aussicht

Um vier ging es dann nämlich los zum vereinbarten Treffpunkt an der Plaza de Armas mit unserer Reisegruppe. Bis dahin war es aber mal ein schöner 20-minütiger Weg, auf dem Julia immer vor uns lief und fleißig ihr Garn gesponnen hat. Ihr haben wir nämlich vorher auch noch was abgekauft, aber bei der Menge an Dingen, die ich verliere, ist’s auch nicht schlecht ne Backup Mütze zu besitzen. 😉

Zusammen mit unserer Gruppe, naja mehr oder weniger, denn der Weg ging wieder mal bergauf und das auf fast 4.000 Metern, so dass unsere Gruppe eher tröpfchenweise nach und nach am Ziel eingetroffen ist, ging es dann zu den Ruinen auf der Insel. Laut unserem Guide war der Weg 1 km lang und 200 Höhenmeter hoch, also wir sind der Meinung, das war länger! Vor allem hat dieser kleine Peruaner, der immerhin Englisch sprach, andauernd die selben Stories erzählt. Deswegen weiß ich auch so genau, dass die Einheimischen dieser Insel einmal im Jahr zu den beiden Tiwanaku-Ruinen hoch wandern müssen: die Tempel Pachamama und Pachatata – Muttererde und Vatererde. Die eine Hälfte der Insel besucht den einen, die andere Hälfte den anderen Tempel und dort werden dann irgendwelche Rituale abgehalten. Nun liegen beide Tempel auf zwei verschiedenen Hügeln, wir haben uns (natürlich!) für den entschieden, der weiter weg war, aber angeblich die bessere Aussicht bietet. Ich hatte noch gar nicht erwähnt, dass wir im Colca Canyon Anne kennen gelernt hatten, die mit ihrem Freund und Vater reist und die wir in den letzten Tagen immer wieder getroffen haben, so auch oben bei den Tempelruinen. 🙂 Dort haben wir dann die wahrlich schöne Aussicht inkl. Sonnenuntergang als Belohnung für den Aufstieg sehen können.

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Sobald die Sonne weg war, wurde es aber auch bitterlich kalt und wir sind schnell zurück zur Plaza de Armas gelaufen, wo Julia auf uns gewartet hat. Ich glaube, in der Dunkelheit hätten wir den Weg auch alleine nicht gefunden, obwohl Panos & Christians ihre Stirnlampen dabei hatten. Das Abendessen war leider nicht so der Hammer, nur eine Suppe…und nun kommt ein Teil, den ich gerne verschweigen würde, aber der journalistischen Objektivität halber muss ich auch darüber berichten. Teil dieser zweitägigen Tour, die wir gebucht hatten, war auch ein Abend mit den Einwohnern Amantanís. Wir waren eigentlich schon total müde und auch nicht wirklich motiviert, aber Julia hatte da wohl irgendwie Lust zu. So haben die Jungs noch ne Runde Karten gespielt und ich mich mit meinen Kopfschmerzen ins Bett gelegt, bis es dann soweit war…wir mussten traditionelle Kleidung der Amantaní anziehen…

Für die Jungs ja nicht so schlimm, das waren nur Ponchos und okay echt lustig aussehende Mützen, aber ich?! Ich sah echt verkleidet aus, möchte Euch das aber nicht vorenthalten, ich kann ja zum Glück ganz gut über mich selbst lachen, behaupte ich jetzt einfach mal.

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Ohne Worte

In diesem Aufzug, der immerhin warm hielt, sind wir dann bei Dunkelheit zur Fiesta an der Plaza de Armas gelaufen. Hmm…Fiesta…naja, wir waren entweder zu früh oder die anderen alle zu spät, denn wir saßen da erst mal einfach nur rum in unserer Verkleidung. Der Besitzer des Supermarktes, der mal schnell in einen Tanzschuppen umdekoriert wurde, meinte dann aber, en 3 minutos fiesta…ah ja…da hat der gute Mann nicht zu viel versprochen, was ein Fest (<- Ironie). irgendwann waren wir dann ein paar mehr Leute, aber auch nicht mehr als 15. Die Chinesen aus unserer Gruppe haben sich da mal schön vor gedrückt, hätten wir besser auch mal. Denn auf einmal ging es dann ans Patschehändchenpacken und im Kreis tanzen. Ich hab's versucht, aber ich konnte da trotz ernsthaftester Bemühungen keine Choreografie im Tanzstil der Einheimischen erkennen. Wir haben den Abend dann aber auch schnell abgekürzt und gegen neun Uhr unsere Gastmutter gebeten mit uns nach Hause zu gehen. Vielleicht wollte sie noch weiter Party machen, aber ich hatte echt Kopfschmerzen und bin sofort eingeschlafen als mein Kopf das Kissen nur ansatzweise berührt hat. Aus Respekt vor der Privatsphäre meiner Mitreisenden werde ich auch nur ein Foto von mir abbilden. Bei Bedarf kann aber gerne bei Christian das Video von unserem Tanz angesehen werden. Herr Paulus steht Ihnen dann ab dem 20. Juli unter den bekannten Kontaktdaten wieder zur Verfügung.

Am Morgen nach der spektakulären Party ging leider die kreativlose Küche weiter, wir hatten eine Art Pfannkuchen, die leider komplett neutral geschmeckt hat. Also, weder süß noch salzig, so dass ich meinen in Zucker getunkt habe und dennoch alle drei aufgegessen habe, man weiß ja nie wann es wieder was gibt, nicht wahr.

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Was auch immer, es war essbar

Nach dem Abstieg vom Berg und einer Umarmung mit Julia ging es dann mit dem Boot zur letzten Insel, die in unserem Programm stand: Taquile. Auch auf dieser Insel spricht die Bevölkerung Quechua und sie hat sich weitestgehend ihre Kultur beibehalten. Die haben dort nämlich ein super System, das ich auch gerne unserer Familienministerin vorschlagen möchte. Die Männer Taquiles tragen nämlich alle eine Mütze und an deren Farbe erkennt man, ob jemand verheiratet (rote Rückseite der Mütze) oder Single ist (weiße Rückseite der Mütze). Das würde doch vielen Menschen wirklich viel vergebene Mühe sparen. Gut, wir bräuchten mehr Farben, aber wir haben das schon ausgearbeitet: schwarz = verheiratet, weiß = Single, grau = es ist kompliziert oder wir haben eine offene Beziehung, lila Streifen = homosexuell. Da weiß jeder gleich woran er ist, ich finde das ist ein ernstzunehmender Vorschlag.

Aber gut, die Insel ist wirklich hübsch, nur durften wir auch hier wieder erstmal Ewigkeiten durch die Walachei hinauf laufen, um die Plaza de Armas zu erreichen. Die Taquiler oder wie man sie nennt, leben in einer Art sozialistischer Kommune und jeder arbeitet für jeden. Denn alles eingenommene Geld wird bei den Chefs der Insel abgegeben und Montag ist Zahltag, da bekommen alle ihr Gehalt ausgezahlt. Nun verdienen auch diese Bewohner ihr Geld zum größtenteil mittlerweile mit den Touristen und verkaufen ihre Webarbeiten. Allerdings scheint der Sozialismus einfach nicht zu funktionieren, denn in der Halle in der die Waren verkauft wurden, waren wohl a) kaum Waren und b) hat auch keiner versucht sie zu verkaufen. 🙂 So hat es zumindest Panos sehr zu meiner Erheiterung beschrieben. Hier ein paar Eindrücke von der Insel & deren Bewohner:

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Taquile

Nach einem kleinen Aufstieg sind wir dann zum Mittagessen übergegangen und es gab Fisch mit Pommes…den werden wir die nächsten Tage noch öfters sehen. Ach, und zum Nachtisch, natürlich: Tee…ich sag dazu jetzt einfach nix mehr.

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Trucha & der Nachtisch…pfff

Aber wir hatten eine echt tolle Aussicht vom Restaurant aus und ich fand auch die mehr oder weniger langen Schifffahrten auf dem Titicacasee nie nervend, weil man einfach immer so ein schönes Panorama zu sehen bekam.

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Nach weiteren 20 Minuten Abstieg zum kleinen Anlegepunkt der Insel sind wir dann in einer Rekordzeit am frühen Nachmittag wieder im Hafen von Puno angelegt. Mit einem Bus extra für uns sind wir dann auch direkt vor der Haustür abgesetzt worden und haben uns erstmal dem Internet gewidmet. Gegen 16 Uhr dann das Highlight: Kedda ist angekommen. 🙂 Neben der Wiedersehensfreude habe ich mich wie ein Schnitzel in der Pfanne über das Glas nutella gefreut. 🙂 🙂 🙂 DANKE!!!

Alle zusammen sind wir dann abends noch etwas Essen gegangen und haben mit Limonade und Pisco Sour angestoßen: auf den Urlaub, darauf dass Kedda jetzt da ist und ich genau an diesem Tag 3 Monate unterwegs war. Kedda hat ihren Flug natürlich absichtlich auf dieses Datum ausgelegt. Nach dem Essen hieß es schon wieder früh schlafen gehen, denn am nächsten Tag stand schon der nächste Ausflug an, der Besuch der bolivianischen Inseln des Titicacasees, den teilen sich Peru und Bolivien nämlich.

5 Gedanken zu “Titicacasee: Tee ist kein Nachtisch!

  1. Hallo Marina,

    also, ich finde, die Tracht steht Dir richtig gut – Du siehst klasse aus! Und Du weißt ja, einen schönen Menschen kann nichts entstellen…:)

    Liebe Grüße und danke für die tollen Artikel,
    Stefanie

  2. Endlich schaffe ich es in deinem blog zu stöbern. Habe sogar deinen Eintrag über mich gefunden:-)
    Wir sind zurück auf deutscher Erde und in drei Tagen geht mein Arbeitsalltag in der Schule wieder los.
    Ich hoffe du genießt aber schön deine Reisen und schicke dir warme Sommergrüße aus Holland!
    Anne

    • Die Anne 🙂 dank Dir, wir sind grad in Sucre wo es endlich mal ein wenig wärmer ist! Ich wünsch Dir einen guten Start! Liebste Grüße! (auch an den Herrn Papa ;))

  3. Sooooooo lustig…….auf eurer Party wär ich auch zu gerne gewesen.

    Wirklich ein tolles Panorama….wenn das auf den Bildern schon so toll rüber kommt, kann man sich kaum vorstellen, wies in Echt ausschaut.

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