Hsipaw: im alten Shan-Reich

Am nächsten Tag hatte ich mich, zum Glück, für ein nur 4-stündiges Trekking entschieden. Die andere Option wären 10 Stunden gewesen, im Flyer beschrieben als „difficult“. Das Frühstück enttäuschte leider maßlos, süßes Toast, Pflanzenmargarine und Orangenmarmelade. Ich meine, wer mag das außer Engländern?

Nun ja, um 08.00 Uhr ging der kleine Spaziergang durch das Land der Shan los. Ich war mit meinem Guide alleine, da die meisten 2 oder 3 Tagestrekkings mit Übernachtung wählen. Dazu hatte ich aber definitiv keine Lust mehr. Mein Guide war mit Sicherheit schon in seinen frühen 60ern, meiner Meinung nach, aber immer noch fit wie ein Turnschuh und sehr freundlich. Am Tag vorher bei der Trekking-Information, die er führte, kam ernicht ganz so sympathisch rüber und viele aus dem Guesthouse buchten bei einer anderen Agentur. Aber meine Befürchtungen waren umsonst, wir unterhielten uns nett, auch über Deutschland, weil er dort einen befreundeten Arzt aus Berlin kennt, der seit 10 Jahren nach Hsipaw zum Urlaub kommt.

Wir waren noch nicht weit aus Hsipaw draußen, als wir an einer Reisnudelfabrik hielten. Ich würde es ja weniger Fabrik und mehr Familienbetrieb nennen. 🙂

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Herstellung und Trocknung von Reisnudeln

Wir liefen weiter vorbei an Reis-, Soya- und Gemüsefeldern…

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…bis wir bei einer Familie vorbei schauten, die Chips und andere Snacks aus selbst geernteten Kartoffeln herstellen.

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Herstellung und Trocknung von Kartoffelchips 🙂

Auf unserem Weg kamen wir am alten Friedhof vorbei, der die Gräber der alten Shan-Könige beherbergt, sah allerdings etwas runtergekommen aus.

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Unser Weg führte uns auch zu einem Kloster für Nonnen. Vorher kamen wir aber noch an dieser Weltkugel vorbei auf der ein Buddha sitzt, dies soll „Frieden für die Welt“ vermitteln.

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Kleiner Schreibfehler

Viele arme Familien geben ihre Kinder in Klöster, weil sie dort kostenlos versorgt werden und eine gute schulische Ausbildung erhalten. Aus diesem Grund sind auch schon ganz kleine Mädchen Nonnen oder Mönche. Mit Erlaubnis der Mädchen machte ich Fotos von ihnen und sie waren ganz fasziniert als ich ihnen diese auf der Kamera zeigte. 🙂

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Der Spaziergang führte uns weiter vorbei an Feldern, die teilweise in sattem Grün strahlten. Aktuell sind die Trekkings rund um Hsipaw nämlich nicht so zu empfehlen, weil die Bauern die Felder und Wälder niederbrennen, um die Erde für die nächste Aussaat vorzubereiten.

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Wir kehrten für eine gute Shan-Nudelsuppe in einem Shan-Dorf in einem kleinen Restaurant sowie Tante-Emma-Laden ein, sehr lecker war das und soo günstig. Ich bezahlte wohl für meinen Guide mit sowie meine Sprite und alles in allem kostete mich 1,40 Dollar.

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Danach machten wir uns auf den Rückweg durch das Dorf. Die Myanmaren scheinen laute Musik nicht nur in Bussen zu lieben, es schallte Musik aus riesigen Lautsprechern, aber um einiges mehr Beat als die Musik in Kambodscha oder Laos – dennoch nicht wirklich meins. 🙂

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Durch die Stadt liefen wir wieder zurück zum Mr. Charles Guesthouse, der gerade auch Bungalows direkt am „kleinen Fluß“, wie der birmanische Name übersetzt heißt.

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Man merkt übrigens, dass Myanmar versucht die Infrastruktur zu verbessern. Wobei ich glaube, dass da die Initiative von den Dorfbewohnern selbst kommt, denn überall sieht man Menschen Straßen bauen, übrigens meistens nur Frauen…

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Straßenbau

Irgendwie war mein 4-stündiges Trekking nur 3 Stunden lang, das hat mir aber gar nichts ausgemacht. Zum einen war es sehr heiß und zum anderen hatte ich nichts gegen ein wenig Zeit zum Ausruhen. Ich buchte mir ein Hotel am Inle-See zu dem ich am nächsten Tag fahren würde bis ich nachmittags den 10-Minuten Spaziergang zum alten Shan-Palast auf mich nahm. Wie bereits angerissen, gab es im Shan-Reich verschiedene Prinzen. Der letzte errichtete sein Domizil eher im Kolonialstil, das man nun besuchen kann.

Dahinter steht eine tragische Geschichte. Der Prinz studierte in den USA, lernte dort seine Frau kennen, eine Österreicherin Inge. Zusammen gingen sie nach Burma zurück, doch er hatte ihr gar nicht erzählt, dass er ein Prinz war. Inge verzieh ihm das aber und machte sich beim Volk sehr beliebt, indem sie fließend Shan und Birmanisch lernte sowie Krankenhäuser verbesserte und sich wohltätig um das Wohl der Kinder im Shan-Staat kümmerte. Der Prinz wurde in den ersten Tagen nach dem Militärputsch in Burma ermordet, doch dies wurde bis heute nie von der Regierung zugegeben. Inge verließ daraufhin mit ihren zwei Töchtern das Land und kehrte nie wieder zurück. Ihre Geschichte lese ich gerade „Mein Leben als Sao Thusandi Prinzessin der Shan“.

Nun man kann nicht wirklich den Palast besuchen, sondern bekommt diese Geschichte von der Ehefrau des Bruders des letzten Prinzen erzählt und sie beantwortet gutmütig alle Fragen. Ich habe das Buch fast durch und ehrlich gesagt, ich bin mir nicht so sicher, ob die Geschichte der Frau so stimmt, dass Inge sie und ihren Mann bat sich um den Palast zu kümmern. Denn im Buch steht, dass der Bruder irgendwie furchteinflößend war und damals nicht Prinz wurde (obwohl er älter ist), da er vorher zu stark mit den Japanern während der Besatzungszeit zusammen gearbeitet hatte. Viel mehr wurde bisher über den Bruder nicht gesagt, ich bin gespannt wie das Buch endet.

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Der Palast des letzten Shan-Prinzen

Nach meinem Besuch des Palastes setzte ich mich abends zusammen mit Stefan, dem Brasilianer auf den Balkon im Mr. Charles Guesthouse, das auch Dorms hat. Dort saßen noch viel mehr Leute, ein älterer israelischer Herr, der mit seinem Sohn reiste, ein Engländer, eine Französin mit ihrem durchgeflippten nepalischen Ehemann, eine Portugiesin sowie eine Belgierin. Alle waren sehr nett und so holten wir uns Bier von einem der vielen kleinen Geschäfte in der Nähe des Guesthouses und hatten einen sehr lustigen Abend.

Am nächsten Tag tat ich eigentlich nicht viel. 🙂 Ich hatte Frühstück und beschäftigte mich danach mit meinem Blog, las und packte meinen Rucksack. Danach gesellte ich mich zur Portugiesin, deren Namen ich leider nicht mehr weiß, der Belgierin (Deboarah, 18 Jahre alt) und dem Israeli (22), Zusammen beschlossen wir zum Garten von Mrs. Popcorn’s Garden zu laufen. Das scheint hier ne gängige Namensgebung zu sein mit Mr. und Mrs., neben Mr. Charles Guesthouse, Mrs. Popcorn’s Garden gibt es noch Mr. Food and Mr. Book. 🙂

Auf dem Weg kamen wir an Little Bagan vorbei. 🙂 Ein Name den Reisende der kleinen Ansammlung von Pagoden gegeben haben.

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Die 2 Stunden bei Mrs. Popcorn waren sehr entspannend und ich erfrischte mich mit einem leckeren Lime-Minze-Juice. Danach musste ich mich richtig beeilen, Deborah und die Portugiesin liefen mit mir zurück zum Guesthouse. Die beiden hatten eine Stunde nach mir einen Bus nach Yangon, meiner sollte um 16.30 Uhr zum Inle-See fahren. Eine halbe Stunde vorher fuhr ich mit einem Roller-Taxi vom Hotel zur Bushaltestelle und wartete… irgendwann kam der Bus und ich durfte meinen Platz in der Mitte in der letzten Reihe einnehmen.

Jetzt weiß ich auch warum der Herr von der Rezeption fragte, ob die letzte Reihe für mich okay wäre, denn die Fahrt war kein Spaß! Die Straße war super holprig und so hüpften wir 5 in der letzten Reihe auf unseren Sitzen auf und ab. Zwei Sitze links von mir übergab sich einer die ganze Zeit. Ich bot ihm eine Reisetablette an, aber die hatte er wohl schon versucht, augenscheinlich ohne Erfolg. Irgendwie gelang es mir dennoch zu schlafen, so dass ich leicht gereizt wach wurde als mich ein junger Typ weckte und 10 Dollar von mir wollte – die Gebühr, die jeder Tourist für die Region Inle zahlen muss…grrr. Zu meiner Überraschung kamen wir nicht, wie geplant um 06.30 Uhr an, sondern schon, wie gesagt, um 5 Uhr. Zusammen mit 2 Deutschen nahm ich mir ein Tuk Tuk und ließ mich für 1.000 Kyat zu meinem Hotel Mingalar Inn fahren.

Was ein Glück, obwohl ich erst für die nächste Nacht gebucht hatte, konnte ich direkt mein Zimmer beziehen. Aus dem ersten zog ich allerdings nach 5 Sekunden wieder aus, da sich um die beiden Lampen im Zimmer jeweils ein Schwarm an surrenden Bienen sammelte. Meine panische Flucht verstand der Hotelangestellte richtig und ich bekam ein weniger schönes, aber insektfreies Zimmer und legte mich erstmal hin. 🙂

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